Rückschau auf die Rumänienreise des RC Bad Hersfeld
vom 19. - 27. Mai 2000
Der Rotary Club Bad Hersfeld fördert innerhalb seines sozialen Engagements auch Projekte in Osteuropa, z.B. Rumänien. Seit 8 Jahren wird ein Altenheim in Schweischer mit einer jährlichen Spende unterstützt. Gleichzeitig wird der Kontakt zu 29 Heimbewohnern und zu dem Pflegepersonal durch persönliche Besuche gehalten. Taten dies in der Vergangenheit kleine Reisedeligationen von 4 - 5 Personen, so ist in diesem Jahr eine Gruppe von 26 Personen zu einer Rumänienreise aufgebrochen. Hierbei war der Schwerpunkt der Reise das oben erwähnte Altenheim.
Auf der anderen Seite war das Kennenlernen von Siebenbürgen, der Ostkarparten und der Moldauklöster ein weiteres Ziel der Reise.
Ein Clubmeeting wurde - rückblickend - den gemeinsamen Reiseerlebnissen gewidmet.
(Acht kurze Einzelvorträge von Reiseteilnehmern zu Eindrücken und Erlebnissen auf der Reise, die wiedergaben, was sie besonders angerührt und bewegt hatte, wurden eingebunden in einen moderierten Rahmen, der gekürzt, und angereichert mit Fotos, einen Zugang zu der gelungenen Rückschau vermitteln soll.)
Dagmar und Horst Dickel,
Initiatoren und Reiseleiter
Wir haben das Gespräch mit rumänisch-stämmigen Bewohnern des Landes geführt. Ich erinnere an den Pfarrer in Heltau, der ein Projekt zur Hilfe für arbeitslose Frauen ins Leben gerufen hat.
Ein Rest der "Siebenbürger Sachsen" ist übrig geblieben: diejenigen, die Rücksicht nehmen mussten auf ihre rumänischstämmigen Ehepartner; vor allem aber alte Menschen, die keine Kinder haben, die sie bei der Ausreise hätten mitnehmen können oder andere, die mit den Kindern nicht ausreisen wollten oder konnten. Hier war unser Ziel ein Altersheim in Schweischer, das von unserem Club seit 8 Jahren unterstützt wird. Auch diesmal haben wir wieder eine Spende dorthin gebracht. Neben den "Siebenbürger Sachsen" sind es inzwischen eine rumänischstämmige und eine ungarischstämmige Insassin im Heim. Ich darf aber auch daran erinnern, dass wir es Frau Pascu, einer rumänischstämmigen Altenpflegerin aus Schweischer ermöglicht haben, vierzehn Tage hier in Deutschland im Altenheim sich einiges in der Pflege anzuschauen, was sie dann in Schweischer anwenden konnte. Wir haben uns gefreut, wieder einander zu begegnen.
Rumänien ist traditionell ein multikultureller Staat. Es war das Zusammenleben der verschiedenen Völker in einem Staat, was Rumänien ausmachte. Dass sich eines dieser Völker, nämlich die "Siebenbürger Sachsen" fast vollständig aus dem Land nach 800 Jahren verabschiedet hat, um nun in Deutschland, Österreich und Kanada in den dort lebenden Völkern aufzugehen, hängt auch mit unserer deutschen Vergangenheit zusammen und darf nicht alleine dem Rumänischen Staat angelastet werden. Immerhin werden den verbliebenen "Siebenbürger Sachsen" im Rahmen der Privatisierung jeweils einige Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche von ihrem früheren Besitz zurückgegeben. Es gibt die These, dass die "Siebenbürger Sachsen" in dem Augenblick die Verbundenheit zu ihrer Heimat verloren haben, als man sie unter dem kommunistischen Regime enteignete.
"Dass sich ein Volk selbst aus der Geschichte abmeldet, das hat es bisher noch nicht gegeben" (Eginald Schlattner).
Damit meinte er die "Siebenbürger Sachsen" in Rumänien.
Dieses Zitat gibt mir Gelegenheit, ein Missverständnis über unsere Rumänienreise auszuräumen, welchem ich begegnet bin. Es war der leise Vorwurf: "Ihr seid doch wieder nur zu Deutschen gereist."
Ich möchte hier ausdrücklich sagen, dass unsere Reise Rumänien und seinem Volk gegolten hat. Diesem Land und seinen Bewohnern insgesamt! Die Begegnung mit den deutschstämmigen Rumänen ist und war für uns eine Brücke, um dieses Land und seine Menschen auf ihrem Weg nach Europa kennenzulernen.
Auch aus dem großen Schmerz eines Verlustes heraus ist Pfarrer Eginald Schlattner Schriftsteller geworden, wie er uns selbst sagte und hat dieses in seinem Buch "Der geköpfte Hahn" niedergeschrieben. Die Verwandten und die Freunde sind alle ausgewandert aus Siebenbürgen. Was ihm einmal Heimat war, ist ihm zur Fremde geworden. Vielleicht ist er der letzte in der langen Reihe rumänischer Schriftsteller deutscher Sprache.
Unvergessen ist uns die deutsch sprechende Nonne der rumänisch - orthodoxen Kirche, die uns in einem der Moldauklöster führte, diesem großartigen Beispiel rumänischer Kultur, die zum Weltkulturerbe gerechnet werden.
Schließlich war es die Begegnung mit dem RC Hermannstadt, der in sich das multikulturelle Leben in Rumänien repräsentiert. Auch hier waren es die deutschstämmigen Mitglieder des Clubs, Prof. Dr. Philippi und Architekt Dr. Fabini, die uns als Brücke gedient haben, um einen Zugang zu dem Club zu finden. Dabei ging es uns vor allem um die Unterstützung dreier Schulen gemeinsam mit dem Hermannstädter Club und unserem Kontaktclub Chaville in Frankreich. Neben dem deutschsprachigem Lyzeum (Gymnasium) sind es ein Polytechnisches Lyzeum mit rumänischsprachigem und deutschsprachigem Zweig sowie eine rumänischsprachige Textilfachschule.
Es war eine Reise, von der wir mit einer Fülle von Eindrücken zurückkehrten, vor allem geprägt durch die vielen guten Gespräche, die wir geführt haben. Das ging weit über eine touristische Begegnung mit Rumänien hinaus. Wir können sagen, dass wir Land und Leute in wesentlichen Bereichen kennen gelernt haben. Trotz allem, was wir an Beschwerlichem gesehen haben, bleibt doch die Hoffnung, dass es Rumänien gelingt auf dem Weg nach Europa voranzukommen. So soll am Schluss ein Gedicht von Paul Celan, dem bedeutendsten rumänischen Lyriker deutscher Sprache, vielleicht dem bedeutendsten Lyriker des 20. Jahrhunderts überhaupt, stehen.
Dieses Gedicht reicht mit seiner Hoffnung sogar über den Bereich des Menschen hinaus:
über der grauschwarzen Ödnis.
Ein baum-
hoher Gedanke
greift sich den Lichtton:
es sind Lieder zu singen jenseits
des Menschen"
Letzte Aktualisierung 21.12.2005 |



